Urban Mining
Warum in der Ferne nach Gold und anderen wertvollen Rohstoffen schürfen, wenn große Mengen davon direkt in unseren Städten zu finden sind?
Ein Großteil der von uns je geförderten Rohstoffe ist weiterverarbeitet und verbaut worden. Sie finden sich in Alltagsprodukten, sind in Gebäuden verbaut oder irgendwann auf Mülldeponien gelandet.
Beim Urban Mining geht es darum, auf dieses Rohstoffpotential zurückzugreifen, statt neu zu fördern und aus dem Boden zu holen.
Der Gedanke ist ja nicht ganz neu – im Grunde geht es um eine Art Kreislaufwirtschaft, bei der im besten Fall Materialien vollumfänglich neu genutzt werden. Heute spricht man auch vom „Re-Use“ von Rohstoffen.
Beispiel Bauabfälle
Im Laufe der Geschichte hat man immer schon auf Baumaterialien zurückgegriffen, die bereits aufwendig gewonnen wurden. Alte Tempel und Pyramiden wurden zerlegt und zu neuen Gebäuden zusammengesetzt. Straßen wurden aus Ruinenmaterial erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus der Trümmerverwertung ein industrielles Baustoffrecycling.
Neuere Gebäude bestehen aus einer Unzahl von Materialien – Dämmstoffe, Wasser- und Gasleitungen, Stromkabel, Dachziegel, usw. Diese Materialien können getrennt und wiederverwendet werden.
Ein Großteil der Bauabfälle wird heute bereits recycelt, allerdings meist in Form niederwertiger Produkte wie beispielsweise Schüttgut im Tief- und Straßenbau. Wünschenswert wäre hier eine Wiederverwendung im Bausektor, denn nach wie vor ist dieser einer der Hauptverursacher der globalen CO2-Emissionen.
Beispiel Mülldeponien / Landfill Mining
Das klassische Verständnis einer Mülldeponie ist die Endlagerung von Abfällen. Über Jahrzehnte haben sich Mülldeponien zu wahren Rohstoffhalden entwickelt. Beim Landfill Mining geht es darum, diese Rohstoffe zurückzugewinnen. Das kann zum Beispiel beim Rückbau einer Deponie geschehen. Rein wirtschaftlich rechnet sich diese Art der Rohstoffgewinnung heute oft noch nicht. Werden die weltweiten Ressourcen in Zukunft jedoch knapper, kann diese Art der Gewinnung durchaus interessant werden – ein Gewinn für Natur und Mensch.
Uns interessiert natürlich Gold
Das Edelmetall Gold wird bereits seit Jahrtausenden aus dem Erdreich geholt. Bis heute geschieht das oft unter unmenschlichen Bedingungen und auf Kosten der Natur. Die Minenarbeiter, darunter oft auch Kinder, werden in enge, unsichere Schächte geschickt, Quecksilber verunreinigt ganze Flüsse.
Dabei ist auch Gold in unseren Städten reichlich vorhanden. In vielen Schubladen schlummert ungetragener Goldschmuck der Eltern oder Großeltern. In Handys, Tablets und PC´s wird neben vielen anderen Materialien auch Gold eingesetzt. In einem modernen Smartphone stecken laut Studien 30-36 mg Gold. Auch altes Zahngold ist reichlich vorhanden.
Für das Recycling von Gold und anderen Edelmetallen sind sogenannte Scheideanstalten zuständig. Dort wird das Gold von anderen Materialien getrennt. Altgold wird hier eingeschmolzen, auf seine Qualität und Reinheit hin geprüft und in Form von Barren oder Nuggets verarbeitet.
Im Jahr 2023 wurden gemäß des World Gold Council weltweit 1.237,3 Tonnen Gold recycelt.
Jedes Gramm nicht aus dem Erdreich geförderten Goldes ist ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.
Fazit
Insgesamt steht Urban Mining für einen zukunftsweisenden Ansatz, der zeigt, dass unsere Städte nicht nur Konsumzentren, sondern auch wertvolle Quellen für nachhaltige Rohstoffgewinnung sein können. Es ist ein Schlüsselkonzept für eine nachhaltige und ressourcenschonende Zukunft.